Gardena Micro-Drip in Home Assistant: was die Integration kann
Unsere Terrasse zeigt nach Südosten. Ab dem Vormittag steht die Sonne voll drauf und bleibt bis in den Nachmittag. In einem normalen Sommer ist das der Grund, warum wir dort sitzen. Im Sommer 2026 war es der Grund, warum dort alles gestorben ist.
Die Dürre war der Punkt, an dem Gießen von Hand aufgehört hat zu funktionieren. Nicht, weil es zu viel Arbeit war — sondern weil es unregelmäßig war. Zwei Tage weg, und die Töpfe in der prallen Sonne sind durch. Ein Topf auf einer heißen Terrasse verzeiht keinen vergessenen Tag, und genau die vergisst man. Die Pflanzen sind nicht an zu wenig Wasser eingegangen, sondern an zu unzuverlässigem.
Also: Gardena Micro-Drip-System Start-Set Balkon für 15 Pflanzen*, dazu ein Gardena Water Control als Wasserhahn-Computer, und beides in Home Assistant.
Der ehrliche Teil dieses Artikels ist nicht der Aufbau. Der Aufbau funktioniert. Der ehrliche Teil ist, wie wenig Home Assistant über diese Anlage tatsächlich weiß — und dass ich das erst gemerkt habe, als ich die Automation schreiben wollte.
Der Aufbau: Tropfer sind langweilig, und das ist gut so
Das Micro-Drip-Set ist erfreulich unspektakulär. Das Basisgerät 1000 kommt an den Hahn — das ist nicht optional, es reduziert den Leitungsdruck für die ganze Anlage, und ohne es drückt der volle Druck die Steckverbindungen auseinander. Dahinter läuft das 4,6-mm-Verteilerrohr als Strang entlang der Terrasse, mit Rohrhaltern fixiert, und in den Töpfen sitzen die Reihentropfer.
Was mich überrascht hat, in der Reihenfolge der Überraschung:
- Die Steckverbindungen halten wirklich ohne Werkzeug. Rohr abschneiden, reindrücken, fertig. Ich hatte mit Schlauchschellen und Frust gerechnet.
- Fünfzehn Tropfer sind eine harte Grenze. Das Set ist auf genau 15 Pflanzen ausgelegt: 20 m Verteilerrohr, 15 Reihentropfer. Wer mehr Töpfe auf der Terrasse stehen hat, kauft nach — Tropfer und Rohr einzeln. Das rechnet man besser vorher durch als hinterher.
- Verlegen dauert länger als gedacht — nicht wegen der Technik, sondern weil man die Leitung so legen will, dass sie nicht wie eine Baustelle aussieht. Unter den Töpfen durch, hinter der Bank entlang.
- Das Basisgerät ist der Flaschenhals. Zu viele Tropfer an einem Strang, und die hinteren bekommen sichtbar weniger. Das merkt man erst nach ein paar Tagen an den Pflanzen, nicht beim Aufbau.
Bis hierher: ein gutes, dummes Stück Hardware. Der Computer am Hahn ist der Teil, über den man nachdenken muss.

Was Home Assistant tatsächlich anzeigt
Der Water Control hängt über die Gardena-Smart-System-Integration in HA. Das sind die Entitäten, die dabei herauskommen — vollständig, so wie sie am 24. August 2026 in meiner Instanz stehen:
| Entität | Zustand |
|---|---|
valve.water_control |
closed |
number.water_control_water_control_watering_duration |
60.0 min |
sensor.water_control_battery_level |
86 % |
sensor.water_control_rf_link_quality |
100 % |
sensor.water_control_watering_end |
unknown |
binary_sensor.water_control_online |
on |
binary_sensor.websocket_status_gardena_websocket_connected |
on |
sensor.websocket_status_api_requests_week |
60 |
Die Ventil-Entität trägt ihre Diagnose als Attribute mit:
# valve.water_control — Attribute, live aus HA
is_closed: true
battery_level: 86
battery_state: UNKNOWN
rf_link_level: 100
rf_link_state: ONLINE
service_id: 2846a39f-6c80-4bf7-8a47-412ab07b637d
supported_features: 3
supported_features: 3 heißt schlicht: öffnen und schließen. Keine
Positionierung, kein Teil-Auf. Ein Ventil hat auf und zu, was für einen
Wasserhahn auch völlig ausreicht.
Die Dauer-Entität ist die interessanteste im Bunde:
# number.water_control_water_control_watering_duration
state: 60.0
min: 1
max: 1440
step: 1
mode: box
unit_of_measurement: min
Eine Minute bis 1440 Minuten, also bis zu 24 Stunden am Stück. Meiner steht auf 60. Das ist der Wert, mit dem das Ventil läuft, wenn es über HA geöffnet wird.
Die Ernüchterung: es gibt keinen Zeitplan in Home Assistant
Hier ist der Teil, für den ich diesen Artikel eigentlich schreibe.
Ich wollte eine Automation bauen: früh morgens gießen, bei Regen aussetzen, bei Hitze länger. Also habe ich in HA nachgesehen, was den Bewässerungszeitplan steuert — und die Antwort ist: nichts.
Ich habe alle 15 Automationen in meiner Instanz durchgesehen und ihre
Konfiguration einzeln ausgelesen. Keine einzige davon referenziert
valve.water_control, die Dauer-Entität oder irgendetwas anderes aus dem
Gardena-Namensraum. Die Domain schedule in meiner Instanz enthält null
Entitäten. Der Zeitplan, nach dem meine Terrasse tatsächlich bewässert wird,
existiert in HA schlicht nicht — er lebt in der Gardena-App, auf Gardenas
Servern, und die Integration spiegelt ihn nicht.
Man sieht das Ergebnis, nicht den Plan. sensor.water_control_watering_end ist
eine Zeitstempel-Entität, die während eines laufenden Zyklus das Ende anzeigt
und danach auf unknown zurückfällt. Bei mir steht sie auf unknown, zuletzt
geändert um 05:08:58 UTC — dieselbe Sekunde, in der auch das Ventil auf closed
gewechselt hat. Das heißt: heute früh, gegen 07:08 Uhr unserer Zeit, hat ein
Bewässerungszyklus geendet. Den hat die App ausgelöst, nicht ich, und HA hat ihn
erst gesehen, als er vorbei war.
Ich betone das, weil es der Punkt ist, an dem die meisten Anleitungen im Netz
schummeln: Sie zeigen eine hübsche Automation mit valve.open_valve und tun so,
als wäre das die Bewässerungssteuerung. Ist es nicht. Es ist eine Fernbedienung, kein Zeitplan. Der echte Zeitplan
liegt bei Gardena, und HA darf beim Ergebnis zuschauen.
Was die Integration an Diensten anbietet, ist entsprechend knapp:
# Domain valve — verfügbare Dienste
valve.open_valve
valve.close_valve
valve.set_valve_position # bei diesem Gerät ohne Funktion
valve.stop_valve
valve.toggle
Das reicht, um zu gießen. Es reicht nicht, um zu wissen, wann als Nächstes gegossen wird.
Wichtig, damit hier nichts falsch stehen bleibt: Zum Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, läuft in meiner Instanz keine Automation auf dem Gardena- Ventil. Ich zeige unten keine YAML, die bei mir angeblich im Einsatz ist, weil es sie nicht gibt. Die Bewässerung läuft über Gardenas eigenen Zeitplan.
Zum Vergleich: das Ventil auf derselben Terrasse, das ich wirklich automatisiere
Damit klar wird, worin der Unterschied besteht — auf derselben Terrasse hängt ein SONOFF-Zigbee-Ventil für die Sprühnebel-Kühlung. Das ist ein lokales Zigbee-Gerät, und dort liegt die gesamte Logik in HA. Diese Automation läuft tatsächlich, hier ist sie unverändert:
alias: "Atomizer failsafe - close water valve if open too long"
description: >-
Safety net for the garden atomizer. The misting automation opens the valve
for 2 minutes at a time, so the valve should never be open for 5 minutes
straight. If it is (HA restarted mid-cycle, manual toggle, stuck
automation), force it closed to prevent flooding and water waste.
triggers:
- trigger: state
entity_id: switch.garden_sonoff_water_valve
to: "on"
for:
minutes: 5
actions:
- action: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.garden_sonoff_water_valve
mode: single
Vierzehn Zeilen, und ich weiß mit Sicherheit, dass dieses Ventil nie durchlaufen kann. Für den Gardena kann ich dieselbe Sicherheit nicht bauen, solange der Zeitplan außerhalb von HA liegt — die Absicherung würde gegen Gardenas eigene Zyklen kämpfen, statt sie abzusichern. Der eingebaute Dauer-Deckel im Gerät ist hier die Absicherung, und man muss ihm vertrauen.
Ehrliche Grenzen
Alles hier beobachtet, nicht aus dem Datenblatt abgeschrieben:
- Es ist eine Cloud-Integration, ohne Ausweg. Der Water Control funkt zum Gardena-Gateway, das Gateway zu Gardenas Servern, und HA spricht über eine authentifizierte WebSocket-Verbindung mit ebendiesen Servern. Kein Internet, keine Steuerung aus HA. Warum ein Wasserhahn eine Cloud braucht, kann mir bis heute niemand erklären. Für ein Gerät, dessen einziger Zweck ist, im Sommer zuverlässig zu laufen, ist das die unangenehmste Eigenschaft der ganzen Kette.
- Es gibt ein API-Kontingent, und man sieht es. Die Integration führt Buch: 60 Anfragen diese Woche, 13 heute, bei einem Wochenkontingent von 700. Aufgeschlüsselt sind das 53 WebSocket-Verbindungsaufbauten, 5 OAuth-Token und 2 Locations-Abfragen. Die WebSocket-Verbindung wird etwa alle zwei Stunden neu aufgebaut — das ist Gardenas Vorgabe, nicht ein Fehler. Wer viel pollt oder mehrere HA-Instanzen anhängt, läuft in dieses Limit. Ein Wochenkontingent. Für einen Wasserhahn.
- Der Batteriestand kommt, die Batterie-Bewertung nicht.
battery_levelsteht sauber auf 86 %.battery_statesteht aufUNKNOWN— das Feld gibt es, es ist nur leer. Man bekommt eine Zahl, aber keine Aussage des Geräts darüber, ob es die Zahl für gut hält. Ich habe die Anlage im Frühjahr in Betrieb genommen; von 86 % im August lässt sich noch keine Saisonprognose ableiten, und ich behaupte das auch nicht. - Die Funkstrecke ist unauffällig.
rf_link_level: 100,rf_link_state: ONLINE. Der Hahn liegt in Sichtweite des Gateways. Über Reichweite kann ich deshalb nichts Nützliches sagen — bei mir war sie nie ein Thema. - Geräte, die offline gehen, verschwinden nicht, sie werden
unavailable. In derselben Integration hängt einevalve.pressure_pump, die bei mir seit dem 20. August aufunavailablesteht, samt ihrer eigenen Dauer- und Sensor-Entitäten. Ebenso die Mäher-Entitäten. Wenn also eine Automation auf eine dieser Entitäten zeigt, muss sie mitunavailableumgehen können — das ist bei Cloud-Geräten der Normalzustand, nicht die Ausnahme. - Kein Durchfluss, keine Liter. Der Water Control meldet auf/zu und Dauer. Wie viel Wasser tatsächlich durchgelaufen ist, weiß niemand. Für Tropfbewässerung ist Zeit ein brauchbarer Näherungswert, aber es bleibt eine Schätzung.
Was ich anpassen würde
- Die Frage „ein oder zwei Zeitpläne” zuerst beantworten. Entweder man
lässt den Zeitplan komplett in der Gardena-App und benutzt HA nur zum
Zuschauen und für manuelle Eingriffe — oder man löscht den App-Zeitplan und
baut alles in HA über
valve.open_valveplus Dauer-Entität nach. Beides ist vertretbar. Beides gleichzeitig ist der Weg in doppeltes Gießen. Ich bin aktuell bei Variante eins. - Die 60 Minuten sind meine Zahl, nicht deine. Sie hängt an der Anzahl der Tropfer und an der Topfgröße. Bei mir läuft es auf 60, weil viele Tropfer an einem druckreduzierten Strang hängen und entsprechend langsam abgeben.
- Regen-Aussetzer wäre der erste echte Gewinn. Genau das kann die Anlage von sich aus nicht: Der Gardena-Zeitplan gießt bei Regen fröhlich weiter. Ein HA-Automatismus, der bei Regen den Zyklus unterdrückt, wäre der erste Grund, den Zeitplan tatsächlich nach HA zu holen. Ich habe es noch nicht gebaut, und ich schreibe es hier bewusst als Vorhaben und nicht als Anleitung hin.
- Auf
unavailablealarmieren, nicht auf den Batteriestand. Der gefährlichere Fall ist nicht die leere Batterie, sondern die tote Verbindung bei 30 °C: Das Ventil ist zu, die App meldet nichts Dramatisches, und die Terrasse trocknet aus.binary_sensor.water_control_onlineist die Entität, auf die eine Warnung gehört.
Wo ich gelandet bin
Das Micro-Drip-System hat getan, wofür ich es gekauft habe: Die Terrasse hat den Dürresommer überlebt, und zwar deshalb, weil das Wasser jetzt jeden Tag kommt und nicht dann, wenn ich daran denke. Als Gartengerät: uneingeschränkte Empfehlung.
Als Smart-Home-Gerät ist es das schwächste Glied in meinem Aufbau, und das ist kein Vorwurf an das Ventil, sondern an die Architektur dahinter. Es hängt an einer Hersteller-Cloud, es hat ein Wochenkontingent, und der Zeitplan — das einzige, was bei einer Bewässerung wirklich zählt — ist von Home Assistant aus nicht sichtbar. Ich habe im Vergleich vierzehn Zeilen YAML, mit denen ich für das Zigbee-Ventil zwei Meter weiter garantieren kann, dass es nie durchläuft. Für den Gardena kann ich das nicht garantieren, ich kann ihm nur vertrauen.
Damit kann ich leben, solange ich weiß, dass es so ist. Deshalb steht es hier.